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ADÉLIEPINGUINE AUF DEM VORMARSCH

Dienstag, den 2. September 2014

Die erste „Volkszählung“ bei Adéliepinguinen, die als Indikatorart für die Überwachung und das Verständnis von Klimawandel- und Überfischungseffekten in der Antarktis gilt, hat gezeigt, dass der aktuelle Bestand von 3.79 Millionen Brutpaaren rund 53 Prozent höher liegt als bisher angenommen. Dabei wurde zum ersten Mal hochauflösende Satellitenbilder von den beiden Autoren der Studie genutzt, um so Adéliepinguine in ihrem gesamten Brutgebiet zu erfassen und damit auch eine Zustandsbestimmung für den Südlichen Ozean zu erhalten.


Adéliepinguine sind die am weitesten südlich brütenden Pinguine, brauchen aber dazu mehr oder weniger eisfreie Areale, um ihre Steinnester zu bauen.

Ökologen haben in den vergangenen Jahrzehnten regelmässig Populationsrückgänge von Adélies auf der antarktischen Halbinsel beobachtet. Aber in anderen Gebieten fanden sie gleichzeitig gegenläufige Trends. Die beiden Ökologen Dr. Heather Lynch und Dr. Michelle LaRue von der Stony Brook Universität haben nun die verstreuten Teile von Informationen zusammengetragen und erkannten, dass auf der globalen Ebene die Zahl der Adéliepinguine scheinbar ansteigt. Der Schlüssel innerhalb der Arbeit, die Kolonien zu identifizieren und dabei noch 17 weitere, bisher unbekannte Kolonien zu entdecken, war die Nutzung von Satellitenbildern, um so die spektralen Merkmale von Adélieguano zu erkennen. Somit konnten die Kolonien exakt lokalisiert werden. Die Methode und die Resultate der Studie können nun auch von Entscheidungsträgern und Wissenschaftlern in Bezug auf Meeresschutzgebiete und den Klimawandel genutzt werden. „Wir glauben, dass dies eine bahnbrechende Arbeit mit Daten ist, die nicht nur Informationen über die Populationsdynamik von Adéliepinguinen liefert, sondern auch äusserst wichtige Informationen zu den anhaltenden Verhandlungen über die Einrichtung von Meeresschutzgebieten im Südlichen Ozean liefert“, erklärt Dr. Lynch, die eine der führenden Köpfe in der Nutzung von hochauflösenden Satellitenbildern für die Erforschung von antarktischen Meeresvögeln ist.

Adéliepinguine sind seit "Pingu" die urtypischen Pinguine mit ihrem schwarz-weissen Federkleid und gelten auch bei Forschern als Modell für den Zustand des antarktischen Ökosystems.

Eine Hilfe für Meeresschutzgebiete in der Antarktis
In den letzten Jahren wurde in der Kommission zur Erhaltung antarktischer mariner Lebendressourcen (CCAMLR) die Errichtung einer Reihe von Meeresschutzgebieten um Antarktika und die subantarktischen Inseln diskutiert. Dr. Lynch erklärt, dass Adélies nicht nur selbst eine zu schützende Art sind, sondern ihre Verteilung und ihre Häufigkeit global gesehen die Verteilung ihrer marinen Nahrung, nämlich Krill und Fisch, widerspiegelt. „Unser Resultat einer Steigerung um 53 Prozent der brütenden Adéliepinguine im Vergleich zu vor 20 Jahren zeigt, dass der Krillverzehr dieser Art massiv unterschätzt worden ist. Und genügend Beute für die Krill fressenden Arten zu hinterlassen ist ein wichtiges Element in der nachhaltigen Fischerei. Jetzt haben wir zum ersten Mal eine globale Karte der Adéliemengen, die von der CCAMLR genutzt werden kann“, fügt Dr. Lynch an. „Wir haben jetzt nicht nur eine umfassende Grundlinie, die regelmässig erneuert und verbessert werden kann, sondern haben auch eine Methode an der Hand, mit der wir diese wichtige Art weltweit überwachen können.“
Weitere wichtige Resultate der Studie sind:Hochauflösende Satellitenbilder können effizient für die Informationen über Pinguinpopulationen und ihre Verbreitung in nahezu Echtzeit genutzt werdenDer Anstieg um 53 Prozent verteilt sich gleichmässig auf echten Zuwachs in bekannten Kolonien und die Entdeckung oder erste Schätzungen von bisher unbekannten oder ungezählten KolonienStabile oder wachsende Adéliepinguinkolonien in der Ostantarktis und im Rossmeergebiet gleichen den rapiden Schwund auf der antarktischen Halbinsel, wo durch den Klimawandel signifikant die Zeitpunkte und die Meereisausdehnung verändert wurden, mehr als ausDie Wissenschaftler entdeckten 17 bisher unbekannte Kolonien. Die Erhebung fand aber 13 bisher bekannte Kolonien nicht mehr und von denen 8 jetzt als ausgerottet gelten

Aufgrund der riesigen Ausdehnung von Antarktika sind auch grosse Pinguinkolonien nur schwer zu entdecken.

„Während wir die Tatsache, dass die Adéliepopulation wächst, feiern sollten, verstärken die Resultate auch die Notwendigkeit, mehr für den Schutz des antarktischen Nahrungsnetzes zu tun“, erklärt Andrea Kavanagh, Leiterin des Pinguinschutzprogrammes des Pew Charitable Trust. Diese hat zum Ziel, Pinguinbrutgebiete wiederherzustellen und zu schützen und grosse fangfreie Meeresschutzgebiete im Südlichen Ozean einzurichten. „Wir rufen die CCAMLR auf, einen strengen Ökosystemmanagementplan für antarktischen Krill umzusetzen, damit alle Pinguinarten Zugang zu einer reichhaltigen Proteinquelle haben und so weiter gedeihen können.“

Satellitenbilder als Fenster in die Antarktis
Die beiden Autorinnen der Studie nutzten hochaufgelöste Satellitenbilder, neueste Bodenzählungen und andere Methoden, um Adéliepinguinkolonien auf einer Länge von über 5‘500 Kilometer Küste zu identifizieren. Die Nutzung von solchen Techniken erfreut sich in wissenschaftlichen Kreisen immer grösserer Beliebtheit, um antarktische Tiergruppen wie Pinguine, Robben und Wale zu überblicken. Die relative Einfachheit der Landschaft erlaubt Einblicke in die Biologie antarktischer Tiere in einem Umfang, der vorher für nicht möglich gehalten wurde. Damit könnten neue Einsichten in die Populationsdynamiken von antarktischen Bewohnern gewonnen werden, die für deren Schutz unerlässlich sind.

Quelle: Stony Brook University

2012 by Michael Wenger