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AFRIKANISCHE BRILLENPINGUINKÜKEN MÜSSEN AUCH SPRECHEN LERNEN

Dienstag, den 2. September 2014

Erwachsene Brillenpinguine, die einzige in Afrika vorkommende Pinguinart, benutzen 4 verschiedene Stimmgebungen, während junge Pinguine und Küken nur deren zwei Stimmtypen als Bettelrufe für Nahrung nutzen. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Turin, die eine Studie im renommierten Fachjournal PLoS One (Public Library of Science) veröffentlicht haben.

Brillenpinguine sind sehr soziale Tiere, die in Kolonien entlang der südafrikanischen Küste bis Namibia leben.

Kommunikation ist für soziale Tiere ein äusserst wichtiger Faktor und einer der Schlüssel zum Erfolg. Denn nur so können sich Partner wiederfinden, Jungtiere ihre Eltern wiedererkennen, Reviere abgesteckt werden um nur ein paar Aspekte zu nennen. Pinguine sind äusserst gesellige Tiere, die in ihren Kolonien Schutz vor Räubern finden und auch sonst sehr lautstark sich äussern können. Wenn man vor einer Kolonie von einigen hundert bis hunderttausenden von Tieren steht, scheint es fast unmöglich, die verschiedenen Stimmgebungen herauszuhören. Und doch besitzen die Tiere ein bemerkenswertes Repertoire an Vokalisierungen. Auch die afrikanischen Vertreter, die Brillenpinguine (Spheniscus demersus), stehen in nichts nach. Sie geben Laute ab, um mit den Eltern, den Partnern oder anderen Koloniemitgliedern zu kommunizieren. Doch die Wissenschaft hatte bisher nur grundlegende Informationen über ihre Rufe. Um ihr Stimmverhalten weiter zu untersuchen, sammelten Lizio Favaro und seine Kolleginnen von der Universität Turin hunderte von Audio- und Videostimmaufnahmen von einer grossen, im Zoo von Turin gehaltenen Brillenpinguinkolonie, und kategorisierten und analysierten sie akustisch. Ausserdem identifizierten sie den Verhaltenskontext, bei dem die Rufe gemacht wurden.Die Resultate zeigen, dass das Repertoire eines ausgewachsenen Brillenpinguins aus vier grundlegenden Stimmgebungen besteht: Ein Kontaktruf, der von isolierten Vögeln ausgestossen wird, ein agonistischer Ruf bei aggressiven Interaktionen, ein ekstatischer Balzruf von einzelnen Individuen während der Balzzeit und ein gemeinsamer Zur-Schaustellungsruf, der von Paaren beim Nest ausgestossen wird.

Brillenpinguine leben in Höhlen und auch von Menschen gemachten Nischen. Ihre Jungen füttern sie vor allem mit Fischen.

Die Autoren der Studie identifizierten auch zwei herausstechende Vokalisierungen, die als Bettelrufe von Küken (Bettelpiepsen) und von Nicht-flüggen Jungtieren (Bettelstöhnen) ausgestossen werden. Da die Kolonie aber in Gefangenschaft ist, ist nicht klar, ob die Autoren alle möglichen Lautäusserungen aufgenommen haben. Trotzdem ist diese Arbeit eine grosse Hilfe dabei, bekannte Vokalisierungen zu standardisieren, die dann in weiteren Arbeiten über diese bedrohten Seevögel benutzt werden kann.

Quelle: PLoS One, www.plos.org

2012 by Michael Wenger