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KRILL-FANGSCHIFFE TREIBEN PINGUINE AN DEN ABGRUND

Freitag, den 25. April 2013

Jeder liebt Pinguine aber nur wenige wissen, dass heute der Welt-Pinguintag ist. Noch weniger wissen wahrscheinlich, dass Pinguine bedroht sind, und zwar durch den Klimawandel zum einen; durch riesige Krillfang-Fabrikschiffe aus Europa und Asien zum anderen, die urch das Südpolarmeer rund um Antarktika pflügen. Pinguine sind allgemein geschützt, aber die Fangschiffe entziehen ihnen ihre Nahrungsgrundlage, indem sie wie Staubsauger die 6 cm grossen Krebstiere einsaugen und verarbeiten. Ausserdem werden die südlichen Ozeane immer saurer durch die CO2-Emissionen und dies wird schwere Konsequenzen auf die Schalentiere haben. All dies ist bekannt, und trotzdem ist es nicht gelungen, zwei grosse Meeresschutzgebiete im Südpolarmeer einzurichten. Vor allem durch die Blockade von China, Russland und Norwegen. Das sind schlechte News für die Pinguine.

Ein Netzwerk von Schutzgebieten hätte letztes Jahr in der Antarktis errichtet werden sollen. Aber die Kommission zur Erhaltung antarktischer mariner Lebendressourcen (CCAMLR) konnte keine Einigung an ihrer letzten Sitzung im September 2012 erzielen, erklärt Donna Mattfield von der Antarctic Ocean Alliance, einer Koalition von 30 Wissenschafts- und Umweltschutzorganisationen. Alle 25 Kommissionsmitglieder hatten sich verpflichtet, ein solches Netzwerk einzurichten, aber sich konnten sich nicht auf zwei Vorschläge für Schutzgebiete in der Ostantarktis und im Rossmeer einigen. Nur die Einrichtung eines kleinen Gebietes um die Südorkney-Inseln wurde beschlossen, erzählt Mattfield weiter. „Es gibt keinerlei wissenschaftliche Rechtfertigung dafür, keine Schutzgebiete aufzubauen“, sagt sie und weist darauf hin, dass gerade mal 2 Prozent der Weltmeere unter irgendwelchen Schutzmassnahmen stehen. Die vorgeschlagenen Schutzgebiete bedecken mehrere Millionen km2 des südlichen Ozeans und bestehen aus einer Kombination von Mehrfachnutzungs- und Fangschutzgebieten. Eine endgültige Entscheidung soll nun im Juli in einer Sondersitzung des CCAMLR in Bremerhaven, Deutschland gefällt werden. „Das Südpolarmeer steht unter immer weiter steigendem Druck durch den Klimawandel und den Fang von Meerestieren. Aber die Gebiete in der Ostantarktis und im Rossmeer gehören zu den am wenigsten genutzten, gesundesten und schönsten Meeresregionen weltweit. Sie sind die letzten wirklichen Wildgebiete auf dem Planeten und werden von Forschern als „natürliche Labors“ angesehen“, sagt Onno Gross, ein Meeresbiologe und Leiter von Deepwave, einer Meeresschutzorganisation.

Die meisten Pinguinarten blicken einer ungewissen Zukunft entgegen..

Von den 18 bekannten Pinguinarten weltweit, sind 13 Arten soweit bedroht, dass sie besonderer Schutzmassnahmen bedürfen. In den letzten Jahren sind auch noch Fabrikschiffe im Südpolarmeer aufgetaucht, um Krill für den schnellwachsenden Aquakulturmarkt zu fangen und zu Fischfutter zu verarbeiten. Neuerdings wird Krill nun auch genutzt, um die boomende Gesundheitskostindustrie und den pharmazeutischen Markt mit Omega-3-Fettsäuren zu beliefern. Diese sollen nämlich Herzerkrankungen und Entzündungsreaktionen wie beispielsweise Arthritis reduzieren. „Omega-3-Fettsäuren können auch durch pflanzliche Nahrungsmittel gewonnen werden. Wir brauchen dazu nicht Fische zu fangen“, erklärt Thilo Maack von Greenpeace. Trotzdem subventionieren die Europäer den Bau von sogenannten Superfangschiffen, die vor der Küste Westafrikas ganze Gebiete leergefischt haben und nun auch im Südpolarmeer loslegen, da es in den europäischen Gewässern nichts mehr zu fangen gibt, meint Maack weiter. Er wisse von mindestens zwei in Deutschland gebauten Supertrawlern, die Krill fangen. „Es ist absurd! Wir fahren ans Ende der Welt, um die letzten Fische auch noch dort aus dem Wasser zu ziehen. Wir haben gar nichts aus unseren vergangenen Fehlern gelernt“, sagt er. CCAMLR, die für die Vergabe der Lizenzen in der Antarktis zuständig ist, hat eine Fangquote von 400‘000 Tonnen Krill festgelegt und zurzeit durchpflügen nun 50 Schiffe die kalten und gefährlichen Gewässer. Gerade erst letzte Woche kam es zu einem Brand auf einem chinesischen Fabrikschiff und die gesamte Besatzung musste evakuiert werden. Glücklicherweise ist das Schiff noch nicht leck geschlagen, so dass die tausenden von Tonnen Diesel und Öl ausgelaufen wären.

Man weiss immer noch zu wenig über die antarktischen Krillpopulationen. Man nimmt an, dass sie in die hunderte Millionen Tonnen gehen. Aber das Südpolarmeer erfährt momentan dramatische Veränderungen. Krill ernährt sich von Algen, die unter dem Meereis wachsen, welches in einigen Gebieten enorm zurückgegangen ist aufgrund der steigenden Wassertemperaturen. Gemäss Schätzungen ist die Gesamtzahl von Krill auf rund 80 Prozent seit den 70er Jahren zurückgegangen. Weiter hat der steigende CO2-Ausstoss in den letzten 50 Jahren den pH-Wert des Meerwassers im Südpolarmeer um bis zu 30 Prozent gesenkt. Dieses saurere Wasser schwächt oder löst die Schalen von vielen Meeresorganismen wie beispielsweise Meeresschnecken, Krebsen oder Algen auf. In einigen Regionen des Südpolarmeeres ist dies bereits sichtbar. Und Krill wird auch davon betroffen sein, erklärt Maack. „Ohne massive CO2-Reduktionen werden Teile des Südpolarmeeres bis 2040 zu sauer werden für schalen-bildendes Plankton“, sagt Carol Turtley vom Meeresbiologie-Labor in Plymouth, UK. Maack fügt an:“ Wir hoffen, dass Deutschland als Gastgeber der CCAMLR-Sondersitzung im Juli China, Russland und Norwegen zur Zustimmung für die beiden Meeresschutzgebiete bewegen kann“. Denn vieles hängt von dieser Entscheidung ab, sowohl für die Zukunft von CCAMLR wie auch für die Zukunft der Pinguine, wenn sie überleben sollen.

Quelle: Stephen Leahy, Inter Press Service www.ipsnews.net

2012 by Michael Wenger