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Die Fortpflanzungszeit der Adéliepinguine beginnt etwa im Oktober, wenn das Packeis sich zurückzieht und die Brutplätze auf den subantarktischen Inseln frei von Schnee und Eis werden, was für die Adélies am wichtigsten ist. Die erfahrenen, älteren Männchen sind die ersten, die an ihre alten Brutplätze zurückkehren, häufig sogar zu ihrem alten Nest. Die Nester werden wieder langsam in Schuss gebracht, in dem Steinchen und anderes Nistmaterial aus der Umgebung gesammelt und zurückgebracht werden. Etwa 4 – 5 Tage nach den Männchen treffen die Weibchen ein. Adélies sind normalerweise monogam und daher, wenn das Weibchen den Winter überlebt hat, fangen die zusammengehörenden Paare an, die alte Bindung wieder aufzufrischen durch ein komplexes Begrüssungsritual. Ist aber die Partnerin nicht unter den Rückkehrerinnen, stellt sich das Männchen auf sein Nest, streckt sich, spreizt sein Flügel aus und fängt an, rhythmische und lange Laute von sich zu geben, um Weibchen anzulocken. Da die Plätze in der Mitte der Kolonie sehr begehrt sind, ist es meist nicht schwierig eine Partnerin anzulocken. Die Weibchen stellen sich vor das Nest und beginnen ihrerseits mit Lauäusserungen Interesse zu zeigen. Dies ist wichtig, da Adélie-Männchen ihre Nester sehr aggressiv vor anderen Pinguinen, die Steine stehlen möchten, verteidigen. Dabei wird mit Knurren, Drohgebärden und sogar Schnabelhacken die Grenze klar aufgezeigt.

Die Balz dauert, je nach Kolonie unterschiedlich lange und besteht aus einer Abfolge subtiler, aber komplexer Verhalten. Ist das Balzen erfolgreich, beginnt gleich die Paarung, gefolgt von einem Nestausbau. Nach 10 Tagen wird zuerst das erste, nach 3 weiteren Tagen das zweite Ei gelegt. Sobald das Weibchen die Eier gelegt haben, übernehmen die Männchen das Brüten und legen die Eier in ihre Bruttasche, während das Weibchen für die nächsten zwei Wochen auf Nahrungssuche geht. Wenn sie zurückkehrt, wird gewechselt und das Männchen, das nun seit rund 50 Tagen nicht mehr gefressen hatte, macht sich auf die Jagd. Dabei legen sie, wiederum abhängig von der Kolonie, bis zu 250 Kilometer zurück und sind zwischen 7 und 10 Tagen unterwegs.

Innerhalb einer Kolonie gibt es markante Unterschiede, was den Zeitpunkt der Fortpflanzung angeht. In der Mitte der Kolonie, wo meist der Schnee aufgrund der Pinguine und der sonnen- und windexponierten Lage bereits früh wegschmilzt, läuft die Fortpflanzung sehr synchron ab, während an den Aussenbereichen grosse Unterschiede zwischen den Paaren herrscht. Dort findet man teilweise noch balzende paare, während andere bereits auf den Eiern sitzen oder sogar frisch geschlüpfte Junge haben.

Das Küken schlüpft nach etwa 34 Tagen Brutzeit und wird abwechslungsweise von jeweils einem Elternteil bewacht, während der andere Nahrung beschafft. Dabei müssen aber nun kürzere Distanzen zurückgelegt werden, da die Eltern nun nicht nur für sich genügend Energie gewinnen müssen, sondern auch für das Küken, und damit nicht viel Zeit und Energie zur Jagd zur Verfügung steht. Dafür müssen bis zu 3 Kilogramm Krill oder Fisch täglich gefressen werden, also fast 50 Prozent des Eigengewichts. Nach rund 3 Wochen ist das Küken so gross, dass die Eltern beide gleichzeitig auf die Jagd müssen. In der Zwischenzeit schliessen sich die Jungen in Kindergärten zusammen, um vor Raubmöwen und Riesen-Sturmvögel sicher zu sein. Mit ihrem braunschwarzen Daunenkleid können die Jungen sehr gut Wärme absorbieren, sind jedoch anfällig auf Nässe bei Regen und Schneeschmelze. Daher ist die Mortalitätsrate bei den frisch geschlüpften Jungen gross. Nach etwa 50 – 55 Tagen kommen die Jungen aber in die erste Mauser und wechseln in das schwarzweisse Federkleid der Juvenilen/Erwachsenen. Man kann sie aber immer noch von den Adulten unterscheiden, denn ihnen fehlt noch der dunkle Kehlbereich der Erwachsenen. Ab hier gehen sie ins Wasser, auch wenn die Mauser noch nicht ganz abgeschlossen ist. Denn die Eltern haben die Fütterung eingestellt und jagen wieder ausschliesslich für sich, um ihren Energievorrat aufzustocken. Die Juvenilen sind nun auf sich gestellt und werden die nächsten knapp 3 Jahre alles lernen, um zu überleben. Wenn erfolgreich, werden sie zurückkommen und mit dem Brutgeschäft beginnen.

Häufig kommt es vor, dass junge, unerfahrene Männchen bei ihrem ersten Brutjahr erfolglos sind oder sogar keinen Nistplatz ergattern können. Diese Männchen schliessen sich zu Gruppen zusammen, die jedoch so stark unter dem Fortpflanzungsdrang stehen, dass sie sich untereinander zu paaren versuchen oder auf Küken, junge, oder sogar tote Weibchen gehen. Dieses aggressive Verhalten wurde zwar schon 100 Jahren beobachtet, erst aber vor einem Jahr veröffentlicht, da es bis dahin als schamlos und unanständig betrachtet wurde.

Entwicklungsstufen des Adéliepinguin
Verschiedene Altersstufen des Adéliepinguin: 1a: Adult, 1b: Juvenil, 1c: Frisch geschlüpft, 1d: Küken

2012 by Michael Wenger