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Kaiserpinguine sind die extremsten Pinguine von allen bekannten Arten. Sie sind die grössten und schwersten Pinguine und sie können am längsten und am tiefsten von allen Seevögeln tauchen Ausserdem sind sie die am südlichsten und unter extremsten Bedingungen brütende Pinguinart. Ihre gesamte Biologie macht sie einzigartig innerhalb der Ordnung der Pinguine.

Anders als viele der Pinguinarten verbringen sie nur eine kleine Zeitspanne auf See, bzw. am Rand des Packeises. Gerade mal 3 Monate verbringen die Erwachsenen nicht mit der Aufzucht der Jungen. In dieser Zeit schwimmen die meisten Kaiserpinguine entlang der küstennahe Eisgrenze (Schelfgebiete), wo die Wassertiefe nicht tiefer als 500 Meter ist. Dort jagen sie Krill, Fische und auch Tintenfische, vor allem Kalmare. Dabei tauchen sie zwischen 3 und 9 Minuten in Tiefen bis 200 Meter. Einige, besonders die grössten und stärksten Individuen können auch in tiefere Bereiche tauchen. Der Tiefenrekord liegt bei 564 Meter, getaucht von einem erwachsenen Männchen. Dies verlängert natürlich auch die Tauchdauer, wo der Rekord bei 21.8 Minuten liegt. Grundsätzlich ist es so, dass die Männchen tiefer und länger tauchen als die Weibchen, da sie etwas grösser und schwerer sind. Wie die Tiere in diesen Tiefen ihre Beute aufspüren, ist nicht genau bekannt. Man nimmt jedoch an, dass Kaiserpinguine mit ihren grossen Augen die Bioluminiszenz ihrer Beutetiere wahrnehmen, bzw. sie mit dem Restlicht in weniger als 200 Meter Tiefe genügend sehen können. Da es in dieser Zeit aufgrund des Südsommers beinahe 24 Stunden taghell ist, finden die Tiere genügend Nahrung, um wieder zu Kräften zu kommen.

Kaiserpinguine schwimmen fast immer in Gruppen, um so das Risiko von Räuberangriffen etwas zu minimieren. Ausgewachsene Kaiserpinguine müssen sich vor Seeleoparden und Schwertwalen vorsehen, während die Jungen, wenn sie noch an Land sind, die Beute von Riesensturmvögel und Skuas sind. Die Überlebenschancen der Jungen stehen im ersten Jahr bei rund 20 Prozent, während bei den Erwachsenen jedes Jahr etwa 95 Prozent überleben (diese Daten sind jedoch nur auf natürliche Feinde bezogen und haben die anthropogen bedingten Todesursachen nicht miteinbezogen). Kaiserpinguine können im Durchschnitt etwa 30 Jahre alt werden.

Das Leben in Gruppen hat bei Kaiserpinguinen auch zu einem komplexen Sozialverhalten und einer ebenso komplexen Kommunikation geführt. Die Tiere erkennen sich zum einen an den Farbmustern der Kehle und der unteren Schnabelhälfte. Da die Pinguine in einem anderen Farbspektrum sehen, als wir (UV-Farben werden wahrgenommen), sind die Farben am Hals und am Schnabel wie ein Fingerabdruck für die Tiere und geben ihnen Aufschluss über Zustand, Reife und Status. Aber die Stimme und an die Laute sind die Haupterkennungsmerkmale bei Kaiserpinguinen. Die Lauterzeugung geschieht mit einem Zwei-Frequenz-System, welches sich aufgrund des zweigeteilten Stimmkopfes (Syrinx), den alle Vögel besitzen, ergibt. Dieses System generiert einen Takt, der individuell ist und die Tiere erkennbar macht. Ausserdem sind die Frequenzen so tief, dass sie an Land durch die Körper der umgebenden Tiere hindurch gehen können, bzw. im Wasser auch über grössere Strecken gehört werden können. Dies ist auch von ihren nächsten Verwandten, den Königspinguinen, bekannt, aber nicht von den anderen 15 Pinguinarten.

Kaiserpinguine brüten in 43 Kolonien am Rand des antarktischen Kontinents. Dabei sind die meisten Kolonien auf dem ewigen Packeis, nur 3 Kolonien sind tatsächlich auf Festland. Die meisten Kolonien liegen in der Ostantarktis und im Bereich des Rossmeeres. Einige wenige Kolonien sind in der Westantarktis und nur zwei auf der antarktischen Halbinsel. Der Grund für diese Verteilung liegt in der Tatsache, dass in diesen Gebieten das Packeis auch im Sommer nicht abschmilzt und weil dort die für die Nahrungssuche wichtigen Schelfgebiete liegen. Dies verringert die Zeit und die Energie, welche die Tiere für die Nahrungssuche während der Aufzucht und vor der Mauserzeit benötigen.

Verbreitungskarte Kaiserpinguine
Karte der bekannten Kaiserpinguinkolonien in der Antarktis. Die Farben zeigen die Veränderungen in der jährlichen Bedeckungsdauer des Meereises. (nach Trathan et al. 2008)


Kaiserpinguine sind wie alle Pinguine exzellente Schwimmer. Ihr Köper ist trotz ihrer Masse ideal gebaut und sie schwimmen rund 12 km/h. Auf kurze Strecken, beispielsweise für Sprünge an Land oder um Feinden auszuweichen, können Kaiserpinguine (wie alle anderen auch) die Maximalgeschwindigkeit auf das dreifache erhöhen. Dies geschieht, indem der Pinguin Luft, die zwischen den Federn liegt, herauspresst (durch Zusammenziehen der Haut und Federn) und so die Dichte und die Viskosität des umgebenden Wassers reduziert. Er umgibt sich sozusagen mit einem Luftmantel und kann so die Reibung reduzieren und höhere Geschwindigkeiten erzielen, auf Kosten der Isolation. Das Geheimnis liegt in der Dichte und der Grösse der Federn, die so klein und Dicht zusammenstehen, dass die Luft wie in einem Netz über der Haut liegt und als Mikroblasen freigesetzt wird, so dass sie wie ein Mantel den Kaiserpinguin umgibt.

2012 by Michael Wenger