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Kaiserpinguine sind nicht wie die anderen Pinguinarten, oder wie andere Vögel im Generellen, wenn es um das Brutgeschäft geht. Wie bereits erwähnt, brüten sie auf dem Packeis nahe an der antarktischen Küste oder sogar auf dem Festland. Die Männchen kommen zwischen März und April zu ihren angestammten Kolonien kurz vor den Weibchen. Diese Stellen sind meist windgeschützte Bereiche zwischen Eisklippen und/oder Felsen, die aber von Eis bedeckt sind und von den Pinguinen teilweise einen langen Marsch verlangt (zwischen 50 – 120 Kilometer).

Sobald die Weibchen ankommen, fangen die Männchen mit ihrer Balz an. Dabei senken sie zuerst ihren Kopf auf die Brust, atmen tief ein und lassen dann ihren Ruf erschallen und halten diese Position für einige Sekunden, bevor sie eine neue Ausgangsstellung einnehmen. Der Ruf ist, wie schon früher erwähnt, sehr individuell und soll die helfen, die einzelnen Tiere zu erkennen. Kaiserpinguine sind zwar jährlich monogam, aber von Jahr zu ahr sind nur rund 15% der Partner wieder zusammen. Dies erklärt sich mit dem engen Zeitfenster für Paarung und Brüten. Ist ein Partner zu spät, hat sich der andere bereits einen neuen Partner gesucht. Eine Kolonie besteht normalerweise auch aus mehr Weibchen als Männchen (bis zu einem Geschlechterverhältnis von 1:2), was natürlich zu einem sehr intensiven Kampf zwischen den Weibchen führt. Zeigt ein Weibchen Interesse, stellt es sich vor einem Männchen auf und die beiden beginnen mit ihrem Vorspiel. Dabei Stellen sie sich zueinander, strecken sich und geben abwechselnd Laute von sich, die wie ein Lied aufgebaut sind. Danach wandern sie innerhalb der Kolonie, wiederholen das Singen, wobei das Weibchen dem Männchen folgt. Um das Weibchen zur Paarung aufzufordern, reibt das Männchen mit seinem Schnabel am Ohrfleck des Weibchens und es legt sich hin, bereit zur Paarung. Zu diesem Zeitpunkt kann die Temperatur auf bis zu -40°C gefallen sein.

Im Mai legt das Weibchen ein einziges Ei, etwa birnenförmig und rund 450 Gramm schwer. Dann wird das Ei gleich dem Männchen übergeben. Dies ist ein wichtiger Moment, da das Ei nicht zu lange der Kälte ausgesetzt werden darf. Die beiden Pinguine stellen sich dicht vor einander hin, Zehen an Zehen und das Weibchen rollt mit dem Schnabel das Ei über seine Füsse zum Männchen, welches das Ei gleich in seine Brutttasche führt und sich auf seine Fersen stellt, damit das Ei in der Bruttasche bleibt und die Füsse nicht zu stark der Kälte ausgesetzt sind. Das Weibchen wandert dann in Richtung Meer um die nächsten zwei Monate zu fressen, da es keine grossen Reserven gebildet hat. Auch das Männchen besitzt keine ausgeprägten Reserven, brütet aber das Ei die nächsten etwa 64 Tage aus.

Um Energie zu sparen, drängen sich die Männchen zusammen zu einem Haufen dicht an dicht, bleiben aber in einer spiralförmigen Bewegung, so dass jeder einmal in der Mitte steht, wo es bis zu 20 – 30°C warm ist. Dadurch können sie bis zu 16% Energie sparen, was einer Verlängerung der Fastenzeit um bis zu einem Monat bedeutet.

Wenn das Junge nach etwa 64 Tagen schlüpft, herrscht tiefster Winter und ist das Weibchen meist noch nicht zurück, so dass das Männchen das Junge füttern muss. Dabei würgt das Männchen ein Sekret hervor, welches durchschnittlich zu 59% aus Protein und zu 28% aus Fett besteht und in einer Drüse im Schlund des Tieres produziert wird. Das frischgeschlüpfte Küken ist komplett von seinen Eltern abhängig, da sein Daunenkleid noch nicht genügend vor der Kälte schützt und es in der Brutfalte bleiben muss, bis das Weibchen zurückkommt. Innerhalb der nächsten zehn Tage aber hat das Weibchen die lange Distanz vom Packeisrand zur Kolonie vollgefressen zurückgelegt und Küken wird von einem Elternteil zum andern übergeben. Danach macht sich das Männchen auf den beschwerlichen und langen Weg zum Meer. Seit seiner letzten Mahlzeit sind rund 4 Monate vergangen und sein Gewicht ist von etwa 38 auf 18 – 23 Kilogramm geschrumpft. Es hat nun rund zweieinhalb Wochen Zeit, genügend Nahrung für sich und das Junge zu finden und wieder zur Kolonie zurückzukehren, um das Weibchen wieder abzulösen. Fällt eines der Erwachsenen in dieser Zeit aus, muss der zurückgebliebene Partner nach einer Weil das Junge verlassen, um selbst zu überleben. Dies bedeutet den sicheren Tod des Kükens.

Nach etwa 45 – 50 Tagen sind die Küken gross genug, um sich in Kindergärten zusammenzufinden, was einen Schutz vor der Kälte bedeutet. Beide Eltern sind nun unterwegs um genügend Nahrung für das Junge zu finden. Ab Dezember fängt bei den Kleinen die erste Mauser an und sie wechseln ihr graues Gefieder mit weiss-schwarzem Gesicht in das schwarz-weisse Gefieder mit schwarzem Kopf der Juvenilen. In dieser Zeit endet die elterliche Fürsorge und die Jungen wandern zum Packeisrand, um für sich selbst zu jagen. Meist bleiben sie in Gruppen zusammen und verlassen sich auf ihre Jagdinstinkte. Auch die Wanderungen für die nächsten 3 – 4 Jahre geschehen instinktiv.

Hin und wieder kommt es vor, dass Elterntiere, deren Junges die Kükenzeit nicht überlebt hat, versuchen aus den Kindergärten ein Junges zu stehlen, bzw. es zu entführen. Meist handelt es sich um Junge, die am Rand oder abseits der Gruppe stehen und auf ihre Eltern warten. Dabei gehen die „Adoptiveltern“ nicht gerade sanft vor und traktieren das Junge mit Schnabelhieben, um es weiter von der Gruppe zu isolieren und es zu sich zu holen.

Entwicklungsstadien von Kaiserpinguinen
1a: Juvenil, 1b: Erwachsener, 1c: Küken im Kindergartenalter

2012 by Michael Wenger