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Königspinguine verfügen über einen sehr komplexen und einzigartigen Fortpflanzungszyklus, der sich über 3 Jahre zieht. Die Tiere sind zwar bereits ab dem 3. Lebensjahr fortpflanzungsfähig, sind aber meist nicht vor dem 6. Jahr das erste Mal erfolgreich. Sie sind zwar monogam, aber nur etwa 1/3 aller Paare kommen auch beim nächsten Mal wieder zusammen.

Der Zyklus beginnt im Oktober, wenn die Erwachsenen zuerst an Land kommen und sich mausern, nachdem sie einige Wochen auf dem Meer verbracht haben um zu fressen und Fettreserven anzulegen. Die Mauser dauert rund 4 Wochen und ist, wie bei allen Pinguinen, eine sehr energieaufwendige Zeit. Da beide Geschlechter schon an Land sind, beginnt im November schon das Balzritual. Dabei streckt sich das Männchen auf maximale Grösse und stösst trompeten-ähnliche, mehrsilbige, aber kurze Rufe aus, um Weibchen anzulocken. Ist ein Weibchen interessiert, stellt sie sich vor ihm auf, streckt sich auch und gibt ähnliche Laute ab. Dann fängt das Männchen an seinen Kopf hin und her zu bewegen und sich zu verbeugen, was vom Weibchen erwidert wird. Dieses Verhalten kann sich über eine längere Zeit hinziehen und man geht davon aus, dass sich die Tiere so die Farbflecke an Kopf, Kehle und Schnabel zeigen, um so einen Hinweis auf den Zustand des anderen zu erhalten. Ist dieser Teil abgeschlossen, läuft das Männchen los mit wiegendem Kopf und startet den „Parademarsch“, gefolgt vom Weibchen mit ähnlichen Bewegungen. Wiederum spielen die Farben eine wichtige Rolle bei diesem Ritual. Hin und wieder geschieht es, dass ein weiteres Männchen dazu kommt und sich dem Weibchen anbieten möchte. Dann kommt es zu Scheinangriffe, Schlägen mit den Flügeln („clap match“) und sogar Kämpfen mit dem Schnabel, bis einer der beiden aufgibt. Wenn die beiden eine Stelle für das Paarungsritual gefunden haben, stellen sie sich voreinander auf, strecken sich und verharren für einige Sekunden, bevor sie anfangen zu singen. Danach kommt es zu Liebkosungen mit den Köpfen, gefolgt von der Paarung.

Königspinguinpaar bei der Balz
© by Michael Wenger 2012

Im Dezember legt das Weibchen ein Ei, welches dann gleich in die Brutfalte des Männchens übergeben wird. Während der nächsten 55 Tage wechseln sich die Eltern alle 2 – 3 Wochen mit dem Brutgeschäft ab, so dass die Eltern das verlorenen Gewicht wieder aufholen können (bis zu 30 Prozent Verlust beim Männchen am Ende des ersten Wechsels). Wenn das Junge schlüpft, ist es, im Gegensatz zu den meisten anderen Pinguinarten, nur mit einem dünnen Daunenkleid ausgestattet und ohne grossen Energievorrat. Daher bleibt es die ersten 30 – 40 Tage zwischen den Beinen der Eltern, wo es Wärme, Schutz und Nahrung erhält. Die Eltern wechseln sich in dieser Phase alle 3 – 7 Tage ab. Danach hat das Küken sein braunes, dichteres Daunengefieder (auch 3-lagig) entwickelt und ist sowohl von Gewicht wie auch Körpergrösse her stark genug, um auch für einige Tage ohne Eltern auszukommen. Zum Schutz vor Raubvögeln schliessen sich die Jungen zu sogenannten Krippen oder Kindergärten zusammen, die von ein paar wenigen Elterntieren umgeben sind. So können die Jungen bis etwa April/Mai wachsen.

Kükenkrippe junger Königspinguine auf Südgeorgien
© by Michael Wenger 2012

Wenn der Winter kommt, sind die Jungen länger auf sich gestellt, da die Erwachsenen zuerst eine Mauser, danach lange Jagdausflüge unternehmen müssen, um genügend Nahrung für sich und das Junge zu finden. In dieser Fastenzeit, die etwa bis September/Oktober dauert, leben die Jungen vor allem von ihren Fettreserven und verlieren dabei bis zu 70% ihres ursprünglichen Gewichts. Im Frühling müssen die Eltern dann nochmals für rund 2 Monate das Junge füttern, bevor es dann in sein Juvenilgefieder, welches ähnlich seiner Eltern ist, aber ohne die Farben, wechselt. Wenn das Junge dann im Januar flügge geworden ist, ziehen die Eltern zur Regeneration aus Meer für einige Wochen, kommen Ende Januar zurück und beginnen mit dem neuen Zyklus. Das heisst nun, dass das neue Küken erst im März/April schlüpft und daher bei Wintereinbruch viel kleiner und weniger Energie zur Verfügung hat. Die meisten dieser Jungen sterben während des Winters und die Eltern fangen mit einem neuen Zyklus im Frühjahr des dritten Jahres wieder an. Sollte das Junge wider Erwarten den Winter überleben, ziehen die Eltern das Junge natürlich gross, das nächste Ei wird dann aber im Winter geboren und hat keine Chance auf Überleben, so dass der neue Zyklus dann im Frühjahr, sprich am Ende des 3-Jahres-Zyklus, wieder normal startet.

Entwicklungsstadien des Königspinguin
2a: Adultes Tier, 2b: Juvenilform, 2c: Küken im Daunengefieder

2012 by Michael Wenger